Nach dem Großen Brand von 1842
Das alte Rathaus bei der Trostbrücke ging im Großen Brand von 1842 verloren, und der danach entstandene Platz veränderte das Herz der Altstadt. Der Rathausmarkt wurde mit einem Hauch des venezianischen Markusplatzes angelegt: offen, feierlich und zum Wasser hin orientiert. Diesen bühnenartigen Effekt spürst du bis heute, sobald die Fassade den Platz füllt.
1886 bis 1897: Bauen am Alstergrund
Der Bau begann 1886; rund 4.000 Holzpfähle wurden in den weichen Boden nahe der Alster getrieben. Zur Eröffnung im Jahr 1897 war das Gebäude etwa 133 m breit und 70 m tief, mit einem 112 m hohen Turm und 647 Räumen. Diese Dimensionen spürst du vor Ort: Das Rathaus wirkt weniger wie ein Amtssitz als wie eine politische Ansage.
Innenhof und Hygieia-Brunnen
Der Innenhof ist der ruhige Gegenpol zum Rathausmarkt. In seiner Mitte erinnert der Hygieia-Brunnen mit der Göttin der Gesundheit und einem besiegten Drachen an die Hamburger Choleraepidemie von 1892. Das ist ein kleines, aber starkes Zeichen dafür, dass dieses prachtvolle Gebäude auch aus Krise und Erholung hervorgegangen ist.
Ein Stadtstaat unter einem Dach
Im Inneren teilen sich Bürgerschaft und Senat das Gebäude; deshalb ist das Rathaus weit mehr als eine fotogene Fassade. Hamburg ist Stadt und Bundesland zugleich, und hinter den repräsentativen Treppen finden weiterhin Debatten, Sitzungen und Empfänge statt. Eine Führung macht diese Struktur verständlich, ohne dass sich der Besuch wie Staatskunde anfühlt.
Rathausmarkt nach Einbruch der Dunkelheit
Nach Einbruch der Dunkelheit zeigt sich der Rathausmarkt von einer anderen Seite. Die beleuchtete Fassade macht den Platz zur Bühne, und saisonale Veranstaltungen, von Konzerten bis zum historischen Weihnachtsmarkt, lassen das politische Zentrum gesellig statt streng wirken. Wenn dein Zeitplan eng ist, komm abends für zehn Minuten zurück; es ist einer der einfachsten Abstecher mit großem Effekt in der Hamburger Innenstadt.