Es begann als eigenständige königliche Stadt
Kazimierz wurde 1335 von König Kasimir dem Großen als eigene Stadt gegründet und nicht bloß als Fortsetzung der Altstadt. Diese frühere Eigenständigkeit erklärt bis heute den eigenen Rhythmus des Viertels, seinen Marktkern und das Gefühl, eher in eine Stadt in der Stadt als in ein gewöhnliches Quartier zu treten.
Die jüdische Stadt wuchs in ihr heran
Ab dem späten 15. Jahrhundert formte sich hier ein jüdisches Viertel, das Spuren hinterließ, die sich bis heute ungewöhnlich klar im Stadtraum lesen lassen. Rund um Szeroka lassen Synagogen, Bethäuser, Friedhofsmauern und ehemalige Gemeinschaftsgebäude das Viertel eher wie ein gelebtes Archiv als wie ein einzelnes Denkmal erscheinen.
Der Krieg brach die Kontinuität über den Fluss hinweg
Das 20. Jahrhundert lässt sich hier nicht verstehen, ohne den Blick nach Podgórze zu richten. Während der deutschen Besatzung wurde die jüdische Bevölkerung Krakaus über die Weichsel in das dortige Ghetto gezwungen, und die Liquidation im Jahr 1943 besiegelte die Zerstörung dieser Welt. Genau deshalb verbinden gute Routen Kazimierz mit dem ehemaligen Ghetto, statt beides als getrennte Themen zu behandeln.
Erinnerung und Nachtleben teilen sich heute dieselben Straßen
Gerade dieses Nebeneinander macht Kazimierz so besonders. In einer Gasse liest du Friedhofsstein und Synagogengeschichte, nur wenige Minuten später stehst du zwischen Ateliers, Bars, Höfen und späten Abendessen. Dieser Kontrast ist real, und er gehört zum Viertel, statt ein Widerspruch zu sein, den man glätten müsste.