Junge Hänge, starke Farben
Kerið ist nach isländischen Maßstäben jung genug, um in den eisenreichen Hängen einen kräftigeren Rotton zu bewahren als viele ältere Vulkanorte. Vor dem blaugrünen Wasser und den Moospolstern wirkt der ganze Kraterkessel fast gemalt, sobald das Licht durchbricht. Genau dieser Kontrast ist der eigentliche Grund, warum sich selbst ein kurzer Stopp hier größer anfühlen kann als seine Dauer.
Ein Einsturzkrater mit klar lesbaren Proportionen
Am treffendsten versteht man den Ort nicht als aufgesprengtes Loch. Die heutige Form entstand, als ein Kegelvulkan seine Magmareserve verlor und anschließend nach innen einsackte; das erklärt die schüsselförmige Symmetrie, die Besucher heute sehen. Der See hängt mit dem lokalen Grundwasserspiegel zusammen und nicht allein mit Regen, was dem Ort neben seinem dramatischen Eindruck auch etwas geologisch Geordnetes gibt.
Ein natürliches Amphitheater in Tjarnarhólar
Im Gebiet Tjarnarhólar ist der Maßstab ungewöhnlich gut ablesbar: etwa 55 m vom Rand bis zum Boden, rund 170 m breit und ungefähr 270 m lang. Den Amphitheater-Effekt spürst du fast sofort am Rand, und genau das ist einer der Gründe, warum Kerið für Reisende mit wenig Zeit und dem Wunsch nach einer klaren Form so gut funktioniert.
Schon 1932 wurde hier geforscht
Schon 1932 wurde Kerið wissenschaftlich vermessen, und der isländische Naturforscher Geir Gígja setzte die detaillierte Arbeit von 1941 bis 1954 fort. Untersucht wurden Tiefe, Wasserstandsschwankungen, Temperatur und kleines Wasserleben. Das erinnert daran, dass unter den fotogenen Farben ein See liegt, der seit Langem mehr als nur flüchtige Bewunderung hervorruft.